Der Franken hat im vergangenen Jahr seine Kaufkraft halten können. (Adobe Stock)
Wirtschaft
8.1.2026 | nzz.ch
Stabile Inflation braucht stabile Politik – in der Schweiz gerät dieses Gebot ins Wanken
Die Inflation der Schweiz lag im vergangenen Jahr auf niedrigem Niveau. Damit dies langfristig so bleibt, muss Bundesbern umdenken.
Gute Nachrichten für die Schweiz: Die Inflation im Land verharrt auf tiefem Niveau. Im Dezember stiegen die Konsumentenpreise gegenüber dem Vorjahr um nur 0,1 Prozent. Schaut man auf die durchschnittliche Jahresteuerung für 2025, resultiert mit 0,2 Prozent der tiefste Anstieg seit 2020. Der Franken hat somit im Jahresverlauf kaum an Kaufkraft verloren, und die Währung ist ihrem Ruf als Stabilitätsanker gerecht geworden. Davon profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Vorteil für Arbeitnehmer und Arbeitgeber
Die Arbeitnehmer gehören deshalb zu den Gewinnern, weil sie 2025 mehrheitlich eine Reallohnerhöhung erhielten. Dies nicht aufgrund der Grosszügigkeit der Unternehmen. Vielmehr gingen die Arbeitgeber bei der Fixierung der Löhne für 2025 von einer stärkeren Inflation aus und erhöhten die Saläre gemäss Lohnumfrage der UBS um durchschnittlich 1,4 Prozent. Weil die Teuerung geringer ausfiel, profitieren die Arbeiter nun im zweiten Jahr in Folge von einem preisbereinigten Lohnplus. Die Lohneinbussen von 2022 und 2023 dürften damit kompensiert sein.
Auch die Arbeitgeber gehören zu den Gewinnern. Weil die Inflation hierzulande deutlich geringer ausfiel als etwa im Euro-Raum oder in den USA, stiegen auch die Kosten moderater als bei der ausländischen Konkurrenz. Dieser Vorteil ermöglicht es, den Nachteil einer starken Währung und entsprechend höherer Preise der Exportgüter im Ausland auszugleichen. Die Schweiz profitiert also von einer harten Währung, ohne deshalb einen bedeutsamen Wettbewerbsnachteil zu erleiden.
Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) ergibt sich aufgrund der stabilen Preisentwicklung kein Handlungsdruck. Die Inflation liegt im Zielbereich. Und betrachtet man den Frankenkurs preisbereinigt und handelsgewichtet, entwickelt er sich recht stabil. Daran ändert auch der Sinkflug des Dollars wenig – ein Trend, der mit dem politischen Personal im Weissen Haus zu erklären ist und auf den die SNB keinen Einfluss hat. Entsprechend hat die SNB in jüngerer Vergangenheit nur punktuell gegen den starken Franken am Devisenmarkt interveniert.
Die Finanz- und Arbeitsmarktpolitik muss mitspielen
Doch die Inflation liegt nicht nur in der Hand der SNB. Auch Bundesbern muss eine Stabilitätskultur beweisen, besonders bei den Finanzen. Das ist immer weniger der Fall: Links-grüne Parteien arbeiten konsequent an einer Demontage der Schuldenbremse; neue Ausgaben werden mit erstaunlicher Nonchalance beschlossen; und selbst Minireformen wie das Entlastungspaket, das nur das Ausgabenwachstum moderat senken will, stossen auf heftigen Widerstand diverser Interessengruppen. Dabei geht unter, dass solche Politik langfristig den Inflationsdruck erhöht.
Auch die Arbeitsmarktpolitik muss mitspielen, wenn die Teuerung unter Kontrolle gehalten werden soll. Es braucht flexible Märkte, namentlich im Lohnbereich. Wohin es führt, wenn dies fehlt, zeigt Österreich. Dort werden die Löhne an die Inflation der letzten zwölf Monate gekoppelt – unabhängig davon, ob die Wirtschaft boomt oder schrumpft. So verfestigt sich die Inflation immer stärker im System und ist kaum noch wegzubringen. Das Resultat: Österreichs Inflation verharrt auf einem rund doppelt so hohen Niveau wie jene im übrigen Euro-Raum.
Von solchen Verhältnissen ist die Schweiz weit entfernt. Doch auch hier ist der Arbeitsmarkt nicht mehr gar so liberal. Seit Einführung der EU-Personenfreizügigkeit verlangen die Gewerkschaften immer neue Vorschriften, so auch beim neuen EU-Vertrag. Einzeln wirken sie harmlos. In der Summe führen sie aber zu steter Verkrustung – mit preistreibender Wirkung. Es wäre vielleicht an der Zeit, dass die Politik bei neuen Ausgaben und Regulierungen stets auch die Inflationsfolgen abschätzen müsste. Damit die Schweiz langfristig ein Land mit niedriger Teuerung bleibt – zum Wohl von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.
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