KMU+

Schweizer Startups sollen in der Champions League spielen: Die Wirtschaft hat ein Rezept, damit endlich auch bei uns grosse Technologiekonzerne entstehen

Auterion entwickelt ein Betriebssystem für Drohnen. Einer der Gründer stellt sich ebenfalls als Mentor zur Verfügung. (Adobe Stock)

Schweizer Startups sollen in der Champions League spielen: Die Wirtschaft hat ein Rezept, damit endlich auch bei uns grosse Technologiekonzerne entstehen

Wirtschaft

6.1.2026 | nzz.ch

Schweizer Startups sollen in der Champions League spielen: Die Wirtschaft hat ein Rezept, damit endlich auch bei uns grosse Technologiekonzerne entstehen

Ein neues Mentorenprogramm bringt Erfolgsunternehmer mit Jungunternehmern zusammen. Zum Beispiel Samuel Portmann vom ETH-Startup Taskbase. Er will mit seiner KI-Firma gross herauskommen. Tjarko Leifer, der im Silicon Valley reüssiert hat, hilft ihm dabei.

Sie haben Technologiefirmen wie Auterion, Get Your Guide und Scandit gegründet oder Google Maps mit erfunden. Nun sollen zwanzig dieser Erfolgsunternehmer ihrem Land etwas zurückgeben und anderen Firmen helfen, ganz gross herauszukommen: Das ist die Idee von Project Switzerland, einem Programm, das ambitionierte Startup-Gründer mit Mentoren zusammenbringt, die aus eigener Erfahrung wissen, wie man eine global erfolgreiche Firma aufbaut.

«Project Switzerland ist nur für Startups gedacht, die in der Champions League spielen und richtig gross werden wollen», sagt Michael Sauter, der das Programm bei Deep Tech Nation Switzerland verantwortet. Die Stiftung wurde von Swisscom und UBS gegründet, zu den Unterstützern gehören aber auch andere klingende Namen, von Axpo über Rolex und Swiss Re bis Ypsomed.

Ein neuer Ansatz bei der Startup-Förderung

Die Schweiz sei zwar Innovations-Weltmeisterin. Aber vielversprechende Startups würden meist zu früh verkauft, sagt Sauter. «Wir wollen den Aufbau weltweit tätiger Firmen unterstützen, indem wir ehrgeizigen Gründern Unternehmer an die Seite stellen, die das schon einmal hinbekommen haben.»

Zwei Männer verkörpern diese Vision perfekt – sie bilden zusammen so etwas wie ein Pilotprojekt: Samuel Portmann, Mitgründer und Chef der Zürcher KI-Firma Taskbase, eines ETH-Spin-off. Und Tjarko Leifer, ein Schweiz-Amerikaner, der in den USA eine Tech-Firma gründete, die später vom Lebensmittelriesen Kraft Heinz gekauft wurde. Zuletzt war Leifer CEO des kalifornischen Landwirtschaftsrobotik-Unternehmens Farmwise.

Den Kontakt zwischen den beiden hat Michael Sauter von Deep Tech Nation Switzerland vermittelt. Die Chemie stimmte, und so sitzen jetzt alle drei an einem Tisch und erzählen von ihren Erfahrungen.

«Für mich ist es megawichtig, dass ich Leute um mich herum habe, die mich spiegeln können», sagt Portmann. Mit Leifer habe er einen Unternehmer gefunden, «der punkto Erfahrung und Skills in einer anderen Liga spielt als ich und der trotzdem bereit ist, auf Augenhöhe mit mir zu sprechen».

«Giving back»-Philosophie

Was motiviert Leifer, beim Project Switzerland mitzumachen? Er findet das Vorhaben spannend, sieht sich aber auch in einer Verpflichtung: «Ich bekam als junger Unternehmer selbst viel Hilfe von Mentoren, die mir ihre Zeit schenkten», sagt Leifer. Diese «Giving back»-Philosophie sei sehr wichtig für ein Startup-Ökosystem.

Leifer ist erst im August mit seiner Familie in die Schweiz gezogen. Er hat eine Schweizer Mutter, wuchs aber in Kalifornien auf und studierte an der Stanford University, in deren Umfeld besonders häufig Techfirmen entstehen. Leifer spricht Schweizerdeutsch mit einem leichten Akzent und muss manchmal nach den richtigen Worten suchen.

Im Silicon Valley wird die Kultur der gegenseitigen Unterstützung schon seit den 1950er Jahren hochgehalten. Das bekannteste Beispiel dafür ist die sogenannte «Paypal-Mafia»: Damit sind ehemalige Schlüsselmitarbeiter des Bezahldienstes wie Elon Musk, Peter Thiel oder Reid Hoffman gemeint, die danach Firmen wie Tesla, Linkedin, Youtube oder Yelp gründeten und sich untereinander halfen.

Auch der bekannte Startup-Förderer Y Combinator drillt seine Alumni darauf, anderen jungen Firmengründern unter die Arme zu greifen. «Diese ‹Giving back›-Kultur wollen wir mit Project Switzerland auch bei uns stärken», sagt Sauter.

Leifer sagt, es sei unglaublich schwierig, eine erfolgreiche Firma aufzubauen. Es brauche eine grosse Portion Optimismus, und jeder der vielen Rückschläge nage am Selbstvertrauen. Da seien die Ratschläge, aber auch das Kontaktnetz von Unternehmern, die das auch schon einmal mitgemacht hätten, sehr hilfreich.

Taskbase steht vor einer Finanzierungsrunde

Samuel Portmann und sein dreissigköpfiges Team können solche Unterstützung in den kommenden Wochen besonders gut gebrauchen: Taskbase steht vor einer Finanzierungsrunde und will neue Produkte einführen.

Die Firma gibt es zwar schon seit 2015. Sie war damals aber ihrer Zeit etwas voraus und sah sich in einer exotischen Nische positioniert. «Wir sind mit der Hypothese gestartet, dass wir Firmen mit digitalen Lernprodukten für Mitarbeiter einen Mehrwert bieten können – dank datengetriebenen Technologien. Damals hat noch niemand von KI geredet», sagt Portmann. «Im Rückblick haben wir auf die richtigen Technologien gesetzt. Als Team verfügen wir über die richtigen Fähigkeiten.»

Wenn Portmann heute potenziellen Kunden erzählt, dass Taskbase ihnen KI-Agenten zur Verfügung stellen kann – virtuelle Assistenten, die zum Beispiel Verkaufsmitarbeiter bei ihren täglichen Aufgaben unterstützen –, verstehen alle, was er damit meint. KI ist das Thema der Stunde, und für Taskbase ist die Zeit für eine internationale Expansion gekommen.

«Wir haben einen technischen Vorsprung. Um ihn zu halten, muss unsere Software in möglichst vielen Unternehmen im Einsatz sein, denn sie lernt mit jeder Anwendung dazu und wird kontinuierlich besser», sagt der Jungunternehmer.

Solche Aussagen gefallen seinem Vorbild. «Das Coole an Samuel ist, dass er die Ambition hat, in der Champions League zu spielen», sagt Leifer. Natürlich wäre es einfacher, die Produkte nur im deutschsprachigen Raum zu lancieren. Aber damit würde die Firma bis in ein paar Jahren an Wettbewerbsfähigkeit einbüssen. «Diese Art von Produkten wird besser, je mehr Leute sie benutzen.»

Leifer gefällt auch, wie stark sich Taskbase darauf konzentriert, Kundenprobleme zu lösen. «Bei vielen ETH-Spin-offs steht eine Technologie im Zentrum, die auf der Suche nach einem Problem ist.»

Kurz: Portmann und Leifer haben das Heu auf der gleichen Bühne. Anfang nächsten Jahres sollen weitere Beziehungen zwischen ehrgeizigen Firmengründern und Mentoren entstehen.

Achtzehn der zwanzig «Weltklasse-Vorbilder», wie sie Deep Tech Nation Switzerland nennt, sind bereits gefunden. Darunter befinden sich etwa die Seriengründerin Bettina Hein, Vincent Bieri, der Mitgründer von Nexthink, oder Jean-Marc Wismer, der frühere operative Chef von Mind Maze.

Deep Tech Nation Switzerland will sich auch selbst an ehrgeizigen Zielen messen lassen: Bis 2033 soll das Risikokapital, das jungen Schweizer Firmen jährlich zur Verfügung gestellt wird, auf 5 Milliarden Franken steigen. Das wäre eine Verdoppelung. Und die Startups sollen bis dann 100 000 Stellen schaffen.

Markus Städeli, «NZZ am Sonntag»

Exklusiver Inhalt aus den Medien der NZZ. Entdecken Sie die Abonnemente für die «Neue Zürcher Zeitung» und die «NZZ am Sonntag» hier.

Das könnte Sie auch interessieren:

Innovativ oder überflüssig? Der digitale Brief der Post macht privaten IT-Firmen Konkurrenz. Diese sind besorgt

Wirtschaft

Innovativ oder überflüssig? Der digitale Brief der Post macht privaten IT-Firmen Konkurrenz. Diese sind besorgt

Die Post bietet einen digitalen Brief an, der ab diesem Jahr Teil der Grundversorgung ist. Ob dies sinnvoll ist, ist umstritten.

Stabile Inflation braucht stabile Politik – in der Schweiz gerät dieses Gebot ins Wanken

Wirtschaft

Stabile Inflation braucht stabile Politik – in der Schweiz gerät dieses Gebot ins Wanken

Die Inflation der Schweiz lag im vergangenen Jahr auf niedrigem Niveau. Damit dies langfristig so bleibt, muss Bundesbern umdenken.

Schweizer Autoverkäufe fallen auf ein historisches Tief, E-Mobilität spielt wichtige Rolle

Wirtschaft

Schweizer Autoverkäufe fallen auf ein historisches Tief, E-Mobilität spielt wichtige Rolle

Der Absatz von Elektroautos kommt nicht wie erhofft voran. Den Importeuren drohen daher in der Schweiz sogar Strafen in dreistelliger Millionenhöhe. Derweil erzielen chinesische Marken erste Erfolge.

Title
Bestätigen